Vier Lieblingswanderungen rund um Zellerfeld – ein Bericht aus dem Wanderrucksack
Von Chiara Wolf · 30. April 2026
Wer in Zellerfeld wohnt – oder zu Besuch kommt – braucht für eine schöne Wanderung meist kein Auto. Das ist einer der Gründe, warum ich diesen Ort so liebe. Die Wanderschuhe stehen an der Tür, der Tag ist offen, und nach wenigen Minuten ist man im Wald.
Ich gehe seit über dreißig Jahren durch diesen Harz. Vier Touren habe ich besonders ins Herz geschlossen, jede mit ihrem eigenen Charakter. Drei davon starten direkt vor unserer Hoteltür, eine erfordert eine kurze Anfahrt – aber die Mühe lohnt sich. Wer alle vier macht, hat ein gutes Gefühl für unsere Ecke des Oberharzes: das stille Tal direkt vor der Haustür, das überraschende Norwegen mitten im Wald, den weiten Blick hinüber zum Brocken – und den Brocken selbst.
Tour 1: Spiegelthal – das stille Tal vor der Haustür
- Strecke: ca. 7 km Rundweg
- Dauer: 2 bis 2,5 Stunden
- Höhenunterschied: rund 120 Höhenmeter
- Schwierigkeit: leicht


Das Spiegelthal beginnt gleich hinter unserem Hotel. Ein paar Minuten zu Fuß durch den Ort, und schon hat man das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Der Weg führt hinunter in ein schmales, bewaldetes Tal mit dem Spiegeltaler Wasserlauf – einem Teil des Oberharzer Wasserregals, das hier seit Jahrhunderten Bergbauwasser leitet.
Was ich an dieser Tour mag: Sie ist kurz genug für einen Vormittag, ruhig genug, um wirklich zur Ruhe zu kommen, und gleichzeitig voller kleiner Entdeckungen. Alte Stollenmundlöcher, das Spiegeltaler Zechenhaus, gemauerte Reste längst vergessener Anlagen. An manchen Stellen hört man nur das Wasser – und sonst nichts.
Ich gehe diese Runde gern morgens, wenn noch Nebel zwischen den Fichten hängt, oder spät am Nachmittag, wenn das Licht durch die Bäume schräg einfällt. Im Frühjahr stehen Buschwindröschen auf den Hängen, im Herbst leuchten die Lärchen.
Mein Tipp: Eine Thermoskanne Kaffee in den Rucksack, an der alten Brücke über den Wasserlauf eine Pause einlegen, lauschen.
Tour 2: Nach Hahnenklee zur Stabkirche
- Strecke: ca. 14 km hin und zurück (oder einfach mit Bus zurück)
- Dauer: 4 bis 5 Stunden
- Höhenunterschied: rund 250 Höhenmeter
- Schwierigkeit: mittel

Diese Wanderung hat ein Ziel, und das macht sie besonders. Die Gustav-Adolf-Stabkirche in Hahnenklee ist eine echte Überraschung: eine Holzkirche aus dem Jahr 1908, gebaut nach dem Vorbild der norwegischen Stabkirche von Borgund. Drachenköpfe an den Dachfirsten, dunkles, geteertes Holz, Schindeln über Schindeln – wer zum ersten Mal davorsteht, glaubt für einen Moment, in Norwegen gelandet zu sein.
Der Weg führt direkt von unserem Hotel aus durch typischen Harzer Mischwald, vorbei an kleinen Teichen und über sanfte Höhen Richtung Hahnenklee. Die Markierung folgt dem Harzklub-Wegenetz, mehrere Stempelstellen der Harzer Wandernadel liegen an der Strecke – für alle, die ihren Wanderpass füllen.
In Hahnenklee selbst sollte man sich Zeit nehmen. Die Stabkirche ist auch von innen sehenswert – schlichter, als das Äußere vermuten lässt, mit Bemalungen im Jugendstil. Direkt nebenan gibt es Cafés und Restaurants für die verdiente Mittagspause.
Rückweg: Wer die ganzen 14 km gehen möchte, geht denselben oder einen leicht abweichenden Weg zurück zum Hotel. Wer am Vormittag schon viel investiert hat: Es gibt eine Buslinie zwischen Hahnenklee und Clausthal-Zellerfeld – ein bequemer Plan B, den ich selbst gelegentlich nutze, wenn die Knie sprechen. Die Bushaltestelle liegt nur wenige Schritte vom Hotel entfernt.
Mein Tipp: Früh starten. Die Stabkirche ist morgens am stillsten, und der Wald gehört einem fast allein.
Tour 3: Auf den Schalke – mit Brockenblick
- Strecke: ca. 13 km Rundweg
- Dauer: 4 bis 4,5 Stunden
- Höhenunterschied: rund 350 Höhenmeter
- Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll

Das ist meine Lieblingstour an klaren Tagen. Der Schalke ist mit 762 Metern einer der höheren Berge im Oberharz, und auf seinem Gipfel steht ein hölzerner Aussichtsturm mit eigener Geschichte: errichtet 1892 vom damaligen Harzklub Zweigverein Zellerfeld, 1992 vom Harzklub Zweigverein Clausthal-Zellerfeld liebevoll restauriert. Rund 10,5 Meter hoch, etwa 3,5 Tonnen schwer – ein stilles Denkmal des Vereinsengagements im Oberharz.
Hinweis: Der Turm ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Das ist aber kein Grund, die Tour zu streichen – die schönsten Brockenblicke öffnen sich ohnehin schon auf dem Aufstieg, lange bevor man den Gipfel erreicht.
Der Weg beginnt direkt am Hotel und führt zunächst angenehm flach über die Hochfläche – Wiesen, Weiden, weiter Himmel. Diese ersten Kilometer sind ein schöner, ruhiger Auftakt: Man kommt in den Rhythmus, ohne sich zu verausgaben.
Hinter den Wiesen taucht man in den Wald ein und erreicht den Kiefhölzer Teich – im Sommer einer der beliebtesten Plätze der Region zum Schwimmen und Grillen. Hier lohnt sich eine kurze Pause, vor allem an warmen Tagen. Wer die Tour etwas verkürzen möchte, kann am Kiefhölzer Teich auch direkt parken und von hier aus starten.
Ab dem Teich beginnt der eigentliche Aufstieg. Über breitere Forstwege geht es Richtung Bocksberg, dann auf schmaleren Pfaden hinüber zum Schalke. Unterwegs passiert man Hochmoorflächen und sieht, wie sich der Wald nach den Borkenkäferjahren neu entwickelt – eine Landschaft im Wandel, die ich mit gemischten Gefühlen, aber auch mit einer gewissen Ehrfurcht beobachte.
Schon auf den letzten Höhenmetern öffnen sich Lichtungen mit weitem Blick: Brocken, Wurmberg, Bocksberg, an klaren Wintertagen sogar bis ins Vorland. Ich packe immer einen Apfel und ein Stück Schokolade ein und nehme mir oben Zeit. Der Blick will gesehen werden.
Der Rückweg führt über eine andere Route zurück zum Hotel, sodass die Runde abwechslungsreich bleibt.
Mein Tipp: Vorher den Wetterbericht prüfen. Bei Nebel verliert die Tour ihren wichtigsten Punkt. An klaren Herbsttagen ist der Schalke unschlagbar.
Tour 4: Vom Ehrenfriedhof Oderbrück auf den Brocken
- Strecke: ca. 13 km hin und zurück
- Dauer: 5 bis 6 Stunden inklusive Pause auf dem Gipfel
- Höhenunterschied: rund 400 Höhenmeter
- Schwierigkeit: anspruchsvoll – eine echte Tagestour
- Anfahrt: ca. 25 Minuten mit dem Auto vom Hotel zum Wanderparkplatz nahe Oderbrück

Diese Tour ist die Königin meiner vier Empfehlungen. Sie verlangt einen ganzen Tag, gute Kondition und passendes Wetter – und sie schenkt einem im Gegenzug eine der schönsten Wanderungen, die der Harz zu bieten hat.
Vom Hotel sind es rund 25 Minuten Fahrt bis zum Wanderparkplatz beim Ehrenfriedhof Oderbrück. Schon der Startpunkt hat seine eigene Stimmung: Der Ehrenfriedhof ist ein stiller Ort, ein Moment des Innehaltens, bevor man die Schuhe schnürt.
Von dort führt der Weg durch lichten Bergwald stetig bergan – und nach kurzer Zeit kommt man auf den schönsten Abschnitt der Tour: den Pfad entlang der Brockenbahn. Wer die schmalspurige Dampflok zum ersten Mal vorbeifahren sieht, vergisst es nicht. Der weiße Dampf zwischen den Bäumen, das Pfeifen, der Geruch von Kohle – seit 1899 fährt sie hier hinauf, und sie verbindet die Wanderung mit einem Stück lebendiger Geschichte.
Der letzte Anstieg auf den Brocken wird steiler und exponierter. Hier oben ist man über der Baumgrenze, der Wind frischt fast immer auf, und die Aussicht öffnet sich Stück für Stück. Mit 1.141 Metern ist der Brocken der höchste Berg Norddeutschlands – und auf seinem Plateau warten das Brockenhaus, der Brockenwirt und die alte Wetterstation.
Mittagspause auf dem Brocken ist Pflicht. Eine warme Suppe, ein Stück Kuchen, etwas Zeit zum Schauen. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über das Harzvorland hinaus – an besonders guten Tagen bis zum Thüringer Wald oder zur Heide.
Der Rückweg folgt im Wesentlichen demselben Pfad zurück nach Oderbrück. Das ist kein Nachteil – die Brockenbahn-Strecke entfaltet in der Gegenrichtung noch einmal eine andere Wirkung, und das Licht eines späten Nachmittags über dem Harz ist sein eigenes Geschenk.

Mein Tipp: Früh starten. Der Brocken hat sein eigenes Wetter, oft hängt am späten Vormittag Nebel oben, auch wenn unten die Sonne scheint. Genug Zeit für eine echte Pause auf dem Gipfel einplanen – das macht den Unterschied zwischen einer Wanderung und einem Erlebnis.
Ein Wort zum Winterwandern
Der Harz im Schnee ist eines der schönsten Erlebnisse, die ich kenne. Die Stille, wenn die Wälder unter einer weißen Decke liegen, das Knirschen der Schritte, der klare Geruch der Luft – das vergisst man nicht.
Aber ich möchte ehrlich sein: Winterwandern im Harz ist nichts für Anfänger. Sobald Schnee oder Eis auf den Wegen liegen, werden viele Pfade rutschig, manche Abschnitte sogar gefährlich. Wer nicht sicher zu Fuß ist, keine geeignete Ausrüstung dabei hat oder die Strecken nicht kennt, sollte im Winter lieber bei kurzen, gut präparierten Wegen bleiben.
Wer hingegen Erfahrung hat, Spikes oder Grödel trägt, sich Zeit lässt und das Wetter respektiert, erlebt einen Harz, den die meisten nie zu sehen bekommen. Für die Brockentour gilt das besonders: Im Winter ist sie ein hochalpines Unterfangen, das ich nur sehr erfahrenen Wanderern empfehle – und auch dann nur bei stabiler Wetterlage.
Was Sie immer dabei haben sollten
- • Festes Schuhwerk – auch im Sommer, die Wege sind steinig und wurzelig
- • Wetterfeste Jacke – das Harzwetter kann sich innerhalb einer Stunde drehen
- • Genug Wasser – mindestens einen Liter pro Person
- • Brotzeit – auf den Touren selbst gibt es kaum Einkehrmöglichkeiten (Hahnenklee ausgenommen)
- • Wanderkarte oder Komoot/Outdooractive – Mobilfunk ist nicht überall zuverlässig
- • Wer Stempel sammelt: den Pass der Harzer Wandernadel
An der Hotelrezeption liegen gedruckte Wanderkarten bereit – einfach beim Frühstück einpacken.
Nach der Wanderung
Was ich am Wolf's Hotel nach dreißig Jahren Wandern besonders schätze: die Sauna. Müde Beine, wärmendes Holz, und danach ein gutes Abendessen in einem der Restaurants in unmittelbarer Nähe. Mehr braucht ein Wandertag eigentlich nicht.
Wer mit dem Rad oder E-MTB anreist, findet bei uns eine abschließbare Bike-Garage mit Lademöglichkeit – und auch unsere vierbeinigen Gäste sind in den hundefreundlichen Zimmern willkommen.
